Wer hätte geglaubt, irgendwann von den Launen eines Isländischen Vulkans abhängig zu werden ? Wahrscheinlich nicht meine Schwester, die „leider“ in Urlaub in Kanada stecken geblieben ist.
Mich hat es auch teilweise erwischt, da ich heute morgen nach Brüssel hätte fliegen sollen, um den heutigen Abend mit meiner Schwester in Lille (bei den Ch’tis) zu verbringen und morgen früh nach Brügge zu einer Konferenz weiterzufahren. Mit dem Besuch zu meiner Schwester hat es nicht geklappt, weil es diejenige ist, die weg von Kanada kommt (soweit ich weiß habe ich nur eine Schwester). Aber da Belgien nicht weit weg liegt, habe ich dem Vulkan nicht erlaubt, dass er mich die Konferenz verpassen lässt, und bin mit dem Zug losgefahren. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass ich nicht die einzige war die diese Idee bekommen hat.
Der Zug nach Köln war schön voll, aber ich habe Glück bzw. genügend spitzen Ellbogen gehabt um einen Sitzplatz zu finden. Meine Sitznachbarin war eine Ägypterin die in London war und am Freitag von ihrer Dienstreise in Warschau zurück nach hause fliegen wollte. Nachdem sie 24 Stunden in Warschau gewartet hatte hat sie diese Idee endgültig aufgegeben und ist mit dem Zug nach Berlin gefahren. Von da aus ist sie nach Köln gefahren, dann wollte sie nach Brüssel, dann Paris, um dort den Eurostar nach London zu nehmen. Das hörte sich nicht so sinnvoll an, da es in Brüssel einen Eurostar nach London gibt. Aber nein, das ging nicht, anscheinend war es den betroffenen Eisenbahn- oder Fluggesellschaften wichtig, dass sie durch Paris fährt!
In Köln Überraschung, der Zug nach Brüssel war so voll dass wir einen Bus nehmen mussten. Meine Busnachbarin war diesmal eine Berlinerin, die akzentfrei Französisch sprach und in Lyon wohnte. Da ihr Flug Berlin-Lyon einen Halt in Düsseldorf hätte machen sollen, hatte sie von der Lufthansa ein Zugticket bekommen, auf dem stand dass sie durch Düsseldorf fahren musste. Deshalb musste sie bis Köln fahren, und dann nach Brüssel, in der Hoffnung dass sie in Brüssel einen Zug findet, der sie nach Lyon bringt. Natürlich wäre die Reise wesentlich kürzer, wenn sie den direkten Zug Köln-Paris hätte nehmen dürfen, aber nein, so was kam für die Fluggesellschaft nicht in Frage!
Ich erzähle nicht von meinen Nachbarn im dritten Abschnitt mit Zug von Brüssel nach Brügge. Es war eine flämische Familie mit zwei sehr süßen und sehr lauten Mädchen, die sich vom Isländischen Vulkan beim Sonntagsausflug nicht haben stören lassen. Neben ihnen war ein very british Paar von älteren Engländern, die versucht haben, an irgendeinen Belgischen Hafen zu gelangen, um eine Fähre nach England zu finden.
Es war also ein sehenswerter Ausflug! Die Bahnhöfe waren nur Chaos und die Schaffner in den Zügen wussten nicht viel besser als die Passagiere, wie man am schnellsten zum Ziel kommen könnte. Jeder hat sich sein Weg organisiert wie er konnte, unter Berücksichtigung der mehr oder weniger sinnvollen Beschränkungen des Fahrscheins, den er in die Hände gedrückt bekommen hatte. Am Ende ist der Vulkan sehr nachhaltig, da er uns zeigt, dass es ohne Flieger auch geht (also nur, wenn man nicht gerade in Kanada steckt, oder wie mein Kolleg in China). Der Vulkan fördert auch soziale Kontakte, indem er Zeit zum Gespräch mit den Reisenkommilitonen schenkt!
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19 April 2010
03 September 2009
Istanbul
Divers matériaux de construction, témoins historiques
Dernière étape avant le retour à Berlin, la capitale turque... Que d'images, d'odeurs, de bruits, de goûts! Tous les sens en prennent plein la vue! Me voilà depuis lundi de retour à Berlin, contente d'avoir été partie et aussi contente d'être revenue.
Die Türkische Hauptstadt als letztes Ziel der Reise, ein Fest für die Sinne, da es so viel zu sehen, riechen, schmecken, hören und tasten gibt. Ich bin seit Montag zurück in Berlin, glücklich gereist und glücklich zurück in Berlin zu sein!
25 August 2009
Thassos
17 August 2009
Pirin
See neben der Hütte wo wir die erste Nacht verbracht haben (2500 m Höhenmeter)
Das Dorf Melnik - Das Ende der Berge und der Anfang der Mittelmeer-Landschaft
Liebe Gruesse aus Bansko (Ъанско), das Bulgarische Dorf von dem wir morgen unsere 3-taegige Wanderung im Pirin-Gebirge starten werden! Heute versuche ich fleissig, das Kyrillige Alphabet zu lernen... Lesen koennen hilft manchmal!
Bisous depuis Bansko (Ъанско), le village bulgare a partir duquel nous allons partir demain pour une randonnee de trois jours dans les montagnes du Pirin. Aujourd'hui au programme il y a apprentissage de l'alphabet cyrillique: dans certaines situations ca peut aider de savoir lire!
15 August 2009
Carapatage dans les Carpathes
Très belles montagnes - malgré le brouillard
Un matin, du soleil dans l'herbe...
So ein idyllisches Dorf!
Un matin, du soleil dans l'herbe...So ein idyllisches Dorf!
Non, nous n'avons pas ete mange par des ours, nous sommes revenus en bonne sante de notre rando dans les montagnes! Juste quelques griffures, on a goute de tres pres a la Transsilvanie! On en a vu des jolis paysages. On reprend le train demain pour Bucarest puis Sofia et finalement les montagnes Pirin en Bulgarie...
Die Rumänischen Bären haben uns nicht gefressen, Glück gehabt! Die Natur um Brasov (Kronstadt) herum wäre ein längerer Aufenthalt wert!
11 August 2009
Rumaenien/Roumanie
Nous sommes a Brasov en Roumanie, arrives par le train de nuit depuis Budapest, et on part pour quelques jours de randonnee dans les Carpathes... On est tout content (tout excites dirait Marion :-)), la ville de Brasov est toute mignonne et les montagnes autour ont l'air vraiment magnifiques! Bisous, je vous raconterai!!
Wir sind in Brasov in Rumaenien, heute frueh mit dem Nachtzug aus Budapest angekommen. Wir fahren jetzt los in die Karpathen fuer ein paar Tage wandern, weit von der Zivilisation und nah an der Natur. Es geht uns sehr gut, wir freuen uns auf die schoenen Landschaften! Ich werde berichten!
08 August 2009
Berlin-Budapest Via Spindlersmühle
Von Mittwoch bis gestern waren wir im Riesengebirge, genau da wo ich im Februar mit der TU-Gruppe Langlaufski gelaufen bin. Es war ganz nett, die grünen Landschaften ohne Schnee zu entdecken. Wir haben das billige Bier und die Kartoffeln in verschiedenen Formen sehr genossen! Wir waren auf der Schneekoppe, zusammen mit ein paar hunderten Polen. Anscheinend ist der Ausflug sehr beliebt.
Gestern sind wir nach Budapest gefahren, mit zwei Halten in Brno und Wien. Leider mussten wir feststellen, dass die Budapester Jugendherbergen voll waren, so dass wir im Radisson übernachtet haben!! Ich schäme mich! Erstaunlicherweise waren wir die einzigen Gäste mit Zelt, Isomatten und Schlafsäcken im Rucksack. Heute morgen sind wir umgezogen. Wir wohnen jetzt in einem Studentenwohnheim, das im Sommer als Jugendherberge genutzt wird. Wir besichtigen die schöne Stadt und lernen die Ungarische Sprache... Man braucht ja immer neue Herausforderungen!
Gestern sind wir nach Budapest gefahren, mit zwei Halten in Brno und Wien. Leider mussten wir feststellen, dass die Budapester Jugendherbergen voll waren, so dass wir im Radisson übernachtet haben!! Ich schäme mich! Erstaunlicherweise waren wir die einzigen Gäste mit Zelt, Isomatten und Schlafsäcken im Rucksack. Heute morgen sind wir umgezogen. Wir wohnen jetzt in einem Studentenwohnheim, das im Sommer als Jugendherberge genutzt wird. Wir besichtigen die schöne Stadt und lernen die Ungarische Sprache... Man braucht ja immer neue Herausforderungen!
21 June 2009
Wie sagt man "Schienenersatzverkehr" auf Portugiesisch?
Am Freitag bin ich in Lissabon gelandet, für ein paar Tage wo es vor allem darum geht, an einer Konferenz teilzunehmen. Von Freitag abend bis heute früh hatte ich frei, weswegen ich heute zur Tagung einen Sonnenbrand im Rücken mitnehmen mußte. Ich war gestern am Strand "Praia do Guincho" (man spricht es überhaupt nicht so aus wie man es schreibt), wo große Atlantikwellen auf schwarze Felsen brechen... sehr schön. Leider kann ich keine Bilder zeigen (vor kurzem hat sich jemanden in meinen Schubladen bedient und meine Digitalkamera mitgenommen!). Lissabon kann ich echt empfehlen, das sind viele kleine Straßen und Gassen auf einem Hügel mit freundlichen Leuten die gern lachen.
Heute früh hat die Tagung angefangen und ich mußte vor 10 Uhr dort sein, um Zeit zu haben, um mit meinen Ex-Kollegen aus Yale zu sprechen, die ich seit Dezember nicht gesehen habe und die alle an der Tagung teilzunehmen, bevor die Vorträge anfangen. Das hat nicht geklappt, und zwar aus einem Grund, das allen Berlinern wohl bekannt ist: Es gab Schienenersatzverkehr in der U-Bahn! Ich denke oft an nicht-Deutschsprechende Ausländer, wenn überaschenderweise die Durchsage "dieser Zug endet hier" in der U-Bahn in Berlin gehört wird... Wie sollen sie wissen, wie und wo man einsteigen soll, um weiter zu kommen? Seit heute weiß ich mehr über das Thema. Als irgendwas auf Portugiesisch im Zug gesagt wurde, sahen alle Gesichter plötzlich besorgt aus. Ich wußte sofort worum es ging und mußte ganz schnell eine Überlebensstrategie entwickeln. Ich habe also einen Typ angesprochen, der einen T-Shirt trug, worauf das Wort "Recycling" stand. Sehr zuverlässiges Zeichen: Das konnte nur ein netter Typ sein. Zufällig fuhr zum gleichen Ort wie ich, aber trotz "Recycling"-T-shirts nicht zur gleichen Tagung. Ich habe ihn also einfach gefolgt und wir haben uns die ganze Zeit unterhalten. Es war Schauspieler, kam aus Porto und hatte immer das Problem, genügend Aufträge zu finden, um sein Lebensunterhalt zu sichern. Eine Geschichte, die ich schon in Berlin und in Frankreich gehört habe! Wir haben weiter gesprochen über den Papst in Portugal, über Links-Aktivismus etc. Also eine Empfehlung: Wenn es (schon wieder) Busersatzverkehr in Berlin gibt, und wenn ihr seht, dass Ausländer nicht verstanden haben, was jetzt zu tun ist, dann sprecht sie an. Sie werden sich freuen, sich mit echten Einheimischen unterhalten zu können!!
Heute früh hat die Tagung angefangen und ich mußte vor 10 Uhr dort sein, um Zeit zu haben, um mit meinen Ex-Kollegen aus Yale zu sprechen, die ich seit Dezember nicht gesehen habe und die alle an der Tagung teilzunehmen, bevor die Vorträge anfangen. Das hat nicht geklappt, und zwar aus einem Grund, das allen Berlinern wohl bekannt ist: Es gab Schienenersatzverkehr in der U-Bahn! Ich denke oft an nicht-Deutschsprechende Ausländer, wenn überaschenderweise die Durchsage "dieser Zug endet hier" in der U-Bahn in Berlin gehört wird... Wie sollen sie wissen, wie und wo man einsteigen soll, um weiter zu kommen? Seit heute weiß ich mehr über das Thema. Als irgendwas auf Portugiesisch im Zug gesagt wurde, sahen alle Gesichter plötzlich besorgt aus. Ich wußte sofort worum es ging und mußte ganz schnell eine Überlebensstrategie entwickeln. Ich habe also einen Typ angesprochen, der einen T-Shirt trug, worauf das Wort "Recycling" stand. Sehr zuverlässiges Zeichen: Das konnte nur ein netter Typ sein. Zufällig fuhr zum gleichen Ort wie ich, aber trotz "Recycling"-T-shirts nicht zur gleichen Tagung. Ich habe ihn also einfach gefolgt und wir haben uns die ganze Zeit unterhalten. Es war Schauspieler, kam aus Porto und hatte immer das Problem, genügend Aufträge zu finden, um sein Lebensunterhalt zu sichern. Eine Geschichte, die ich schon in Berlin und in Frankreich gehört habe! Wir haben weiter gesprochen über den Papst in Portugal, über Links-Aktivismus etc. Also eine Empfehlung: Wenn es (schon wieder) Busersatzverkehr in Berlin gibt, und wenn ihr seht, dass Ausländer nicht verstanden haben, was jetzt zu tun ist, dann sprecht sie an. Sie werden sich freuen, sich mit echten Einheimischen unterhalten zu können!!
29 December 2008
Bye bye!
Letzter Post vor der Abreise in wenigen Stunden. Morgen bin ich in Berlin :-D
Es waren zwei sehr intensive Monate, ich habe viel gelernt, zum Beispiel, dass man Käsekuchen mit griechischem Joghurt machen kann, wenn man in einem Land ist, wo es im Supermarkt keinen Quark gibt. Ich habe viel gearbeitet, teilweise weil ich viel zu tun habe, und teilweise weil ich in New Haven keine Gelegenheit hatte, außer bei der Arbeit Freunde kennenzulernen, also ich hatte nicht viel anderes zu tun! Es wäre übertrieben zu sagen, dass man in den USA kein soziales Leben haben kann, wenn man kein Haus, keinen Mann, kein Auto und keinen Hund hat, aber so gaaanz falsch ist es auch nicht ;-) (oder mindestens in kleinen Städten wie New Haven)
Also ich weiß noch nicht wirklich, wo die nächste Reise mich bringen wird, auch wenn ich ein paar Projekte in der Planungsphase habe, aber ich freue schon sehr darauf!!
Es waren zwei sehr intensive Monate, ich habe viel gelernt, zum Beispiel, dass man Käsekuchen mit griechischem Joghurt machen kann, wenn man in einem Land ist, wo es im Supermarkt keinen Quark gibt. Ich habe viel gearbeitet, teilweise weil ich viel zu tun habe, und teilweise weil ich in New Haven keine Gelegenheit hatte, außer bei der Arbeit Freunde kennenzulernen, also ich hatte nicht viel anderes zu tun! Es wäre übertrieben zu sagen, dass man in den USA kein soziales Leben haben kann, wenn man kein Haus, keinen Mann, kein Auto und keinen Hund hat, aber so gaaanz falsch ist es auch nicht ;-) (oder mindestens in kleinen Städten wie New Haven)
Also ich weiß noch nicht wirklich, wo die nächste Reise mich bringen wird, auch wenn ich ein paar Projekte in der Planungsphase habe, aber ich freue schon sehr darauf!!
28 December 2008
Auf Gott vertrauen wir?
Jetzt muss ich etwa verärgerte Gedanken loslassen.
Es ist oft so, dass wenn ich morgens zur Uni laufe, komme ich an einer Kirche vorbei, wo freiwillige Ladys Kunststoff-Föten in Kunststoff-Gebärmuttern ausstellen, um gegen das Abtreibungsrecht zu demonstrieren. Einmal wollte mir eine einen Flyer geben. Den Flyer habe ich nicht bekommen aber einen bösen Blick hat sie bekommen. Ich habe den Mut nicht gehabt, sie anzusprechen, um zu sagen, dass sie die Leute bitte selber entscheiden lassen sollten, was sie für richtig halten.
In den letzten Wochen haben meine Mitbewohnerin Jase und ich öfter über die "heißen" Themen gesprochen: Abtreibung, homosexuelle Ehe, Sex vor der Ehe, Scheidung. Da sie Christin und tolerant ist, und da ich nicht Christin und zugegebenerweise nicht immer tolerant bin, besonders wenn es um diese Themen geht, war es lebhaft und interessant. Am Sonntag sind wir zusammen zum Gottesdienst gelaufen (ja, gelaufen! Das war das erste Mal, dass sie für die Strecke das Auto nicht genommen hat, es lag viel Schnee, es war sehr hell und schön). Manchmal gehe ich gern zum Gottesdienst, weil ich die Ruhe, das Singen , und auch die Tatsache genieße, dass man sich eine Stunde Zeit nimmt, um über Werte, Leben und seine Stelle dazu zu denken.
In der Kirche waren hauptsächlich gepflegte weiße Familien, die bestimmt in einem dicken Geländewagen angekommen waren. Das Singen war schön, aber dann kam die Predikt. In den USA sind die Predikte meistens lang und für die Leute sehr wichtig, hatte ich mal gehört. Es soll je nach Christlicher Richtung und nach Kirche unterschiedlich sein. In dieser Kirche hat es gestimmt, es war lang. Es ging um das Kapitel 1 des Matthäus-Buch, und zwar zweiten Paragraph über die Geburt Jesus. Der Satz "Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen" [weil Maria schwanger war] wurde besonders diskutiert. Ewig lang. Übrigens stand in der Bibel in der Kirche nichts vom "heimlich verlassen", sondern es stand ganz direkt "scheiden" (divorce).
Da gibt es was, dass ich nicht verstehe. Wieso ist es so wichtig, dass Joseph erstmal damit Probleme hatte, dass Maria schwanger und potenziell keine Jungfrau mehr war? Warum hat der Priester diesen Satz für seine Predikt ausgesucht? Gab es keinen passenderen Absatz, z.B. über Respekt, Solidarität, Nächstenliebe und viele andere wunderschöne Werte, die in der Bibel so schön angesprochen werden? Und auch wenn man diesen Satz aussucht, könnte man ihn nicht anders darstellen? Zum Beispiel dass man es sich manchmal lieber gut überlegen sollte, bevor man eine menschliche Beziehung bricht?
Vor ein paar Jahren hatte ich mal einen Zeitungsartikel gelesen, der erzählte, dass es an einem Krankenhaus in den USA Demonstrationen gab, weil jemand (oder seine Verwandte) Sterbehilfe wollte. An diesem Krankenhaus ist kurz danach ein Kind gestorben, weil seine Eltern sich die Pflege nicht leisten konnten. So ein Widerspruch, auch wenn dieses Beispiel besonders heftig ist, habe ich beim Gottesdienst gefühlt. Wieso wird so viel über schwule Ehe debattiert, wenn Menschen in der Welt vor Hunger sterben? Ist es nicht widersprüchlich, gegen Abtreibung zu demonstrieren, wenn man Samstags im Mall Sachen kauft, die von Asiatischen Kindern hergestellt werden und dadurch ihre Lebensperspektive extrem einschränken? Wie werden die Prioritäten definiert? Sehr provokativ gesagt: Durch die Wahl von biblischen Anforderungen, die am klärsten und schwarz/weiß scheinen??
Meine Mitbewohnerin hat sich kaputt gelacht, als ich ihr gesagt habe, dass ich nicht in den Himmel will, wenn diese Leute auch hingehen. Ich gehe lieber in die Hölle, wo es bestimmt lustige Menschen und coole Drogen gibt. Hier die (hausgemachte...) Übersetzung von ein paar Zeilen des Lieds "Je suis venu vous voir" (ich bin gekommen, um euch zu sehen) des Singers Mano Solo:
"Ich werde bestimmt bei der Prüfung des großen Weisen durchfallen, aber ich werde trotzdem die Gelegenheit nutzen, um ihm zu sagen, was ich über die Existenz denke, diese ärgste Sorte, und wenn er nicht sieht, dass ich ein Engel bin, dann soll er den Job wechseln!... und wenn er will nehme ich seinen Platz"... (etc.)
(Je vais sûrement être recalé a l'examen du grand sage mais j'en profiterai quand même pour lui dire ce que j'en pense de l'existence, cette engeance, et s'il ne voit pas que je suis un ange, alors qu'il change de boulot!... et s'il veut, moi je prends sa place)
Es ist oft so, dass wenn ich morgens zur Uni laufe, komme ich an einer Kirche vorbei, wo freiwillige Ladys Kunststoff-Föten in Kunststoff-Gebärmuttern ausstellen, um gegen das Abtreibungsrecht zu demonstrieren. Einmal wollte mir eine einen Flyer geben. Den Flyer habe ich nicht bekommen aber einen bösen Blick hat sie bekommen. Ich habe den Mut nicht gehabt, sie anzusprechen, um zu sagen, dass sie die Leute bitte selber entscheiden lassen sollten, was sie für richtig halten.
In den letzten Wochen haben meine Mitbewohnerin Jase und ich öfter über die "heißen" Themen gesprochen: Abtreibung, homosexuelle Ehe, Sex vor der Ehe, Scheidung. Da sie Christin und tolerant ist, und da ich nicht Christin und zugegebenerweise nicht immer tolerant bin, besonders wenn es um diese Themen geht, war es lebhaft und interessant. Am Sonntag sind wir zusammen zum Gottesdienst gelaufen (ja, gelaufen! Das war das erste Mal, dass sie für die Strecke das Auto nicht genommen hat, es lag viel Schnee, es war sehr hell und schön). Manchmal gehe ich gern zum Gottesdienst, weil ich die Ruhe, das Singen , und auch die Tatsache genieße, dass man sich eine Stunde Zeit nimmt, um über Werte, Leben und seine Stelle dazu zu denken.
In der Kirche waren hauptsächlich gepflegte weiße Familien, die bestimmt in einem dicken Geländewagen angekommen waren. Das Singen war schön, aber dann kam die Predikt. In den USA sind die Predikte meistens lang und für die Leute sehr wichtig, hatte ich mal gehört. Es soll je nach Christlicher Richtung und nach Kirche unterschiedlich sein. In dieser Kirche hat es gestimmt, es war lang. Es ging um das Kapitel 1 des Matthäus-Buch, und zwar zweiten Paragraph über die Geburt Jesus. Der Satz "Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen" [weil Maria schwanger war] wurde besonders diskutiert. Ewig lang. Übrigens stand in der Bibel in der Kirche nichts vom "heimlich verlassen", sondern es stand ganz direkt "scheiden" (divorce).
Da gibt es was, dass ich nicht verstehe. Wieso ist es so wichtig, dass Joseph erstmal damit Probleme hatte, dass Maria schwanger und potenziell keine Jungfrau mehr war? Warum hat der Priester diesen Satz für seine Predikt ausgesucht? Gab es keinen passenderen Absatz, z.B. über Respekt, Solidarität, Nächstenliebe und viele andere wunderschöne Werte, die in der Bibel so schön angesprochen werden? Und auch wenn man diesen Satz aussucht, könnte man ihn nicht anders darstellen? Zum Beispiel dass man es sich manchmal lieber gut überlegen sollte, bevor man eine menschliche Beziehung bricht?
Vor ein paar Jahren hatte ich mal einen Zeitungsartikel gelesen, der erzählte, dass es an einem Krankenhaus in den USA Demonstrationen gab, weil jemand (oder seine Verwandte) Sterbehilfe wollte. An diesem Krankenhaus ist kurz danach ein Kind gestorben, weil seine Eltern sich die Pflege nicht leisten konnten. So ein Widerspruch, auch wenn dieses Beispiel besonders heftig ist, habe ich beim Gottesdienst gefühlt. Wieso wird so viel über schwule Ehe debattiert, wenn Menschen in der Welt vor Hunger sterben? Ist es nicht widersprüchlich, gegen Abtreibung zu demonstrieren, wenn man Samstags im Mall Sachen kauft, die von Asiatischen Kindern hergestellt werden und dadurch ihre Lebensperspektive extrem einschränken? Wie werden die Prioritäten definiert? Sehr provokativ gesagt: Durch die Wahl von biblischen Anforderungen, die am klärsten und schwarz/weiß scheinen??
Meine Mitbewohnerin hat sich kaputt gelacht, als ich ihr gesagt habe, dass ich nicht in den Himmel will, wenn diese Leute auch hingehen. Ich gehe lieber in die Hölle, wo es bestimmt lustige Menschen und coole Drogen gibt. Hier die (hausgemachte...) Übersetzung von ein paar Zeilen des Lieds "Je suis venu vous voir" (ich bin gekommen, um euch zu sehen) des Singers Mano Solo:
"Ich werde bestimmt bei der Prüfung des großen Weisen durchfallen, aber ich werde trotzdem die Gelegenheit nutzen, um ihm zu sagen, was ich über die Existenz denke, diese ärgste Sorte, und wenn er nicht sieht, dass ich ein Engel bin, dann soll er den Job wechseln!... und wenn er will nehme ich seinen Platz"... (etc.)
(Je vais sûrement être recalé a l'examen du grand sage mais j'en profiterai quand même pour lui dire ce que j'en pense de l'existence, cette engeance, et s'il ne voit pas que je suis un ange, alors qu'il change de boulot!... et s'il veut, moi je prends sa place)
21 December 2008
16 December 2008
Transport
Nach einer Woche in der ich so viel gearbeitet habe, wie ich noch nie gearbeitet hatte, kommt die Ruhe. Uuuuuuuuuf. Heute war etwas wie meine Endpräsentation und es ist sehr gut gelaufen. Also jetzt ist Zeit, über was anderes als Müll zu denken/sprechen. Heute geht es um die Frage, wie man hier vom Punkt A zum Punkt B kommt. Ich habe alles probiert: Die legendären Greyhound-Büsse, Fernzüge, Regionalzüge, U-Bahn, Mietauto, inneramerikanische Flüge, Stadtbüsse, Taxi, zu Fuß.
Greyhound-Büsse sind aus soziologischem Sicht sehr interessant, da drinnen hauptsächlich Frauen, hauptsächlich Schwarze und fast ausschließlich arme Leute sind. Man sagt, die "illegals" (kein Mensch ist illegal) nehmen oft diese Büssen, da man dort nie nach einem Ausweis gefragt wird. Irgendwann kommt man mit diesen Büssen zum Ziel, aber es kann ziemlich abenteuerlich sein. Meine Freundin Elodie und ich sind von New York bis Raleigh gefahren. Um 23:30 Uhr hätte es losfahren sollen, aber da wir früher am Busbahnhof waren, sind wir schon um 23:10 Uhr in einen Bus gesteckt worden und losgefahren. Gegen 4:45 Uhr morgens hielt der Bus und es hieß, der Bus fährt nicht weiter, aussteigen! Also haben wir gefragt, wo wir eigentlich sind, und wir waren in Richmond. Perfekt, das war auf dem Weg. Gegen 5:30 Uhr sind wir in einem Bus weitergefahren, der uns direkt nach Raleigh gebracht hat. Dort waren wir um 8:30 Uhr, also zwei Stunden VOR dem Plan. Mit Auto wären wir nicht schneller gewesen. Auf dem Rückweg war Elodie drei Stunden NACH dem Plan in New York. Also man kann nicht vorher wissen, wann man wo umsteigen wird aber irgendwann kommt man an.
Zwei Mal bin ich geflogen, und einmal durfte ich das volle Programm bei den Sicherheitskontrollen mitmachen. Es dauert und ist nicht besonders witzig. Besonders unwitzig war der Typ, der mir gebrüllt hat, was ich tun sollte. Einmal bin ich zum nächsten Flughafen von
New Haven geflogen. Da war es mit dem Flug problemlos, nett sogar, weil ich mich die ganze Zeit mit meinem Indischen Nachbar unterhalten habe -er meinte, von seinem Jahrgang an der Uni in Indien leben zurzeit ungefähr 80% der Leute in den USA-, aber um vom Flughafen nach New Haven zu fahren war es lustig!! Am Flughafen habe ich mindestens 10 Leute gefragt und keiner wußte, wie es mit den öffentlichen Transportsmitteln geht, d.h. wo man auf den Bus warten soll. Irgendwann wußte jemand Bescheid, und ich habe einen Stadtbus genommen, der mir zum Stadtzentrum (downtown) gebracht hat. Da habe ich gut 20 Minuten auf einem anderen Bus gewartet, um eine kurze Strecke zu fahren, die ich tagsüber gelaufen wäre... aber es war nachts und die Stimmung war so, dass ich nicht alleine rumlaufen wollte. Ein Gefühl, das ich von Berlin nicht kenne, vielleicht weil ich noch nie nachts Mitte in Marzahn war. Am Bahnhof habe ich nach Zügen nach New Haven gefragt, die es nicht gab. Nach 1 1/2 Stunden warten bin ich in einen Greyhound Bus gestiegen, der mich in New Haven gebracht hat. Am Bahnhof in New Haven hatte ich genug von warten, also habe ich spießigerweise einen Taxi nach Hause genommen. Ich war um 23:30 Uhr zu hause, obwohl mein Flug um 19:00 Uhr in Hartford ankam und Hartford nur ca. 60 km von New Haven liegt!! Hätte ich ein Fahrrad gehabt... dann hätte ich Probleme gehabt, die Autobahn zu nehmen und es gibt keine andere Straße!
Zu Fuß ist es auch abenteuerlich, weil es oft keine Bürgersteige gibt. Ich bin einmal von einer Schrottanlage zu einem Bahnhof im Chicago-er Stadtrand gelaufen. Es ging erstmal ewig in der Industriegebiet, dann ewig an einer dicken Straße entlang, dann ewig in einer Wohnsiedlung. Es hat geschneit, es gab meistens keinen Bürgersteig und ich habe keinen einzigen Mensch getroffen. Wobei vielleicht gab es doch Menschen in den vielen Autos, die an mir vorbeigefahren sind. Eine einsame und interessante Erfahrung. Nur einen Eichhörnchen (Aschöschön) habe ich getroffen.
Das Einzige, das nicht abenteuerlich ist, ist Auto fahren. Dafür ist alles gedacht. Am Donnerstag muss ich zu einer Vorstadt von Boston. Mit dem Bus kostet es 40 Dollars pro Fahrt, und das Mietauto kostet für den ganzen Tag 25 Euro (und es dauert die Hälfte der Zeit)!! Also was soll man machen... In Raleigh habe ich erfahren, dass ich noch fahren kann. Mit automatischen Autos muss man nicht so viel machen, die Leute fahren sehr rücksichtsvoll, aber ich fühle mich trotzdem nicht so wirklich sicher. Ich vermisse mein Fahrrad!!
Zwei Mal bin ich geflogen, und einmal durfte ich das volle Programm bei den Sicherheitskontrollen mitmachen. Es dauert und ist nicht besonders witzig. Besonders unwitzig war der Typ, der mir gebrüllt hat, was ich tun sollte. Einmal bin ich zum nächsten Flughafen von
Das Einzige, das nicht abenteuerlich ist, ist Auto fahren. Dafür ist alles gedacht. Am Donnerstag muss ich zu einer Vorstadt von Boston. Mit dem Bus kostet es 40 Dollars pro Fahrt, und das Mietauto kostet für den ganzen Tag 25 Euro (und es dauert die Hälfte der Zeit)!! Also was soll man machen... In Raleigh habe ich erfahren, dass ich noch fahren kann. Mit automatischen Autos muss man nicht so viel machen, die Leute fahren sehr rücksichtsvoll, aber ich fühle mich trotzdem nicht so wirklich sicher. Ich vermisse mein Fahrrad!!
08 December 2008
Winter ist da
Pfiiii pfiii pfiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii
Das ist der Lärm vom Wind zwischen den Hochhäusern... Es ist hier hammer-kalt! Es gibt einen bösen Wind, der sich überall einschleicht und die Temperatur als noch kälter empfinden lässt, als sie ist. Zum Glück war ich im "Mall" mit meiner Mitbewohnerin Jase, um eine echte warme Winterjacke zu kaufen. Malls sind diese riesige Shopping-Center, wo man alles findet, insbesondere Familien mit Kleinkindern, die gemeinsam den Tag da drinnen verbringen, trödelnd von einem Laden zum nächsten. Wie wir als Witz gesagt haben: Für Gottesdienste gibt es die Sonntagskirche, die mit dem Priester, und die Samstagskirche, die mit den Läden. Im Mall wird viel Eis und Kuchen gegessen, wobei es kalorienmäßig schon besser ist, zum Mall mit dem Auto zu fahren und die paar Meter zur Eisdiele zu laufen, als das Eis vor dem Fernseher zu essen!
Das ist der Lärm vom Wind zwischen den Hochhäusern... Es ist hier hammer-kalt! Es gibt einen bösen Wind, der sich überall einschleicht und die Temperatur als noch kälter empfinden lässt, als sie ist. Zum Glück war ich im "Mall" mit meiner Mitbewohnerin Jase, um eine echte warme Winterjacke zu kaufen. Malls sind diese riesige Shopping-Center, wo man alles findet, insbesondere Familien mit Kleinkindern, die gemeinsam den Tag da drinnen verbringen, trödelnd von einem Laden zum nächsten. Wie wir als Witz gesagt haben: Für Gottesdienste gibt es die Sonntagskirche, die mit dem Priester, und die Samstagskirche, die mit den Läden. Im Mall wird viel Eis und Kuchen gegessen, wobei es kalorienmäßig schon besser ist, zum Mall mit dem Auto zu fahren und die paar Meter zur Eisdiele zu laufen, als das Eis vor dem Fernseher zu essen!
06 December 2008
They got rich in the US...
... et se sont acheté un fort joli camion.
(das ist nur ein Witzchen, auf dem Bild sind meine Freunde, die in North Carolina leben, vor einem dicken Auto, das ihnen doch nicht gehört)

Moi par contre j'ai pas fait fortune mais dans ce pays tout le monde a sa Ferrari.
Das war mein gemietetes Auto, mit dem ich überaschenderweise keinen Unfall hatte. Von meinen Klamotten könnt ihr sehen, dass wir laufen gegangen sind! Es gab ein Stückchen Wald mit einem See, die fast so schön wie Grunewald waren.

Je vous envoie plein de bisous depuis... je suis où déjà... ah oui, New Haven. Hier j'étais à Chicago, en début de semaine chez Marion et Nico à Raleigh, demain je serai à New York et lundi à Washington. Vivement la retraite.
Viele liebe Grüße aus... wo bin ich gerade... New Haven! Gestern war ich in Chicago, am Anfang der Woche in Raleigh, morgen fahre ich nach New York und am Montag nach Washington. Hoffentlich kommt die Rente bald.
Piscine Michigan
Schwimmbad Michigan (nein, ich war nicht schwimmen, aber nur weil ich keinen Badenanzug dabei hatte)
(das ist nur ein Witzchen, auf dem Bild sind meine Freunde, die in North Carolina leben, vor einem dicken Auto, das ihnen doch nicht gehört)
Moi par contre j'ai pas fait fortune mais dans ce pays tout le monde a sa Ferrari.
Das war mein gemietetes Auto, mit dem ich überaschenderweise keinen Unfall hatte. Von meinen Klamotten könnt ihr sehen, dass wir laufen gegangen sind! Es gab ein Stückchen Wald mit einem See, die fast so schön wie Grunewald waren.
Je vous envoie plein de bisous depuis... je suis où déjà... ah oui, New Haven. Hier j'étais à Chicago, en début de semaine chez Marion et Nico à Raleigh, demain je serai à New York et lundi à Washington. Vivement la retraite.
Viele liebe Grüße aus... wo bin ich gerade... New Haven! Gestern war ich in Chicago, am Anfang der Woche in Raleigh, morgen fahre ich nach New York und am Montag nach Washington. Hoffentlich kommt die Rente bald.
Quelques photos de Chicago, qui vaut le détour!
Ein paar Bilder aus dem kalten aber schönen Chicago!
Nature à la ville
Natur in der Stadt
Ruisseau entre les cabanes
Ein Bach zwischen den Hütten
Ein paar Bilder aus dem kalten aber schönen Chicago!
Natur in der Stadt
Ein Bach zwischen den Hütten
Schwimmbad Michigan (nein, ich war nicht schwimmen, aber nur weil ich keinen Badenanzug dabei hatte)
28 November 2008
Dankegebung!
Liebe Grüße aus Raleigh, North Carolina! Da wohnen zwei Freunde von mir, und mit meiner anderen Freundin, die in New York lebt, haben wir sie über das Thanksgiving-4-Tage-Wochenende besucht.
Heute, Donnerstag, waren wir bei einer Kollegin von meinem Freund dort eingeladen, um Thanksgiving traditionnell zu feiern. Es gab ein unglaublicher Büffet!!!!!!!!!!!!!!!!! Leider hatte keiner von uns eine Kamera, aber unsere Magen werden sich an dem Tag erinnern. Es gab viele Kürbissachen, drei unterschiedliche Turkey-Vorbereitungen, 12 Nachtische, Kartoffeln, Wein, selbstgebackenes Brot mit unterschiedlichen Brotaufstrichen und und und! Alles sehr lecker. Die Frau hatte für die Vorbereitung am Vortag 18 Stunden gekocht und (in zwei verschiedenen Öfen) gebacken und am Vormittag noch 6 Stunden, wobei der Einkauf und die logistische Vorbereitung nicht mitgezählt ist. Das Essen hat in einem riesigen Haus stattgefunden, in dem die 43 Gäste problemlos Platz am Tisch finden konnten. Sie hatten die ganze Familie, die Familie der Familie, die Nachbar, Freunde, Kollegen und Freunde von Kollegen eingeladen. Wir haben intensiv "small-getalked" (existierte diese Eindeutschung vorher schon? ;-))
Was noch lustig war, war der höchste Stock des Hauses, der ein Spielsaal war. Es gab 2 Flipper, ein Billard, ein paar Casino-Maschinen und andere dicke Video-Spiele, die man sonst in Cafés und Spielcasinos findet. Also aus anthropologischem Sicht einen interessanten Tag!
Heute, Donnerstag, waren wir bei einer Kollegin von meinem Freund dort eingeladen, um Thanksgiving traditionnell zu feiern. Es gab ein unglaublicher Büffet!!!!!!!!!!!!!!!!! Leider hatte keiner von uns eine Kamera, aber unsere Magen werden sich an dem Tag erinnern. Es gab viele Kürbissachen, drei unterschiedliche Turkey-Vorbereitungen, 12 Nachtische, Kartoffeln, Wein, selbstgebackenes Brot mit unterschiedlichen Brotaufstrichen und und und! Alles sehr lecker. Die Frau hatte für die Vorbereitung am Vortag 18 Stunden gekocht und (in zwei verschiedenen Öfen) gebacken und am Vormittag noch 6 Stunden, wobei der Einkauf und die logistische Vorbereitung nicht mitgezählt ist. Das Essen hat in einem riesigen Haus stattgefunden, in dem die 43 Gäste problemlos Platz am Tisch finden konnten. Sie hatten die ganze Familie, die Familie der Familie, die Nachbar, Freunde, Kollegen und Freunde von Kollegen eingeladen. Wir haben intensiv "small-getalked" (existierte diese Eindeutschung vorher schon? ;-))
Was noch lustig war, war der höchste Stock des Hauses, der ein Spielsaal war. Es gab 2 Flipper, ein Billard, ein paar Casino-Maschinen und andere dicke Video-Spiele, die man sonst in Cafés und Spielcasinos findet. Also aus anthropologischem Sicht einen interessanten Tag!
25 November 2008
Und, wie ist Japan?
Hallo,
seit fast einer Woche bin ich aus Japan in den USA zurück, verrückt wie die Zeit vergeht. Trozt 10 Stunden Zeitverschiebung war ich gar nicht so müde, und die 14 Stunden im Flugzeug waren nicht so schmerzhaft wie gefürchtet.
Erstmal ein paar Wörter über den Shinkansen, dieser Zug mit einer langen Nase, der durch ganz Japan fährt. Wie auch immer sie das machen: Im Zug sind ALLE Sitze in der Fahrtrichtung! Sowohl im Zug von Tokyo nach Kyoto als auch in der anderen Richtung! Sie sind stark diese Japaner. Vom Zugfenster aus sieht man den Mount Fuji, ein eingeschlafener Vulkan mit dem Kopf im Schnee, und auch der höchste Berg Japans. Er strahlt viel Ruhe aus.
Kyoto ist eine sehr turistische Stadt, wo man gut feststellen kann, dass die Japaner nicht nur im Ausland viele Bilder machen! Wir haben relativ wenige nicht-asiatisch-aussehenden Turisten getroffen. Kyoto ist eine 2-Millionen-Eiwohner Stadt mit niedrigen Gebäuden (wegen Erdbeben) und vielen vielen
Tempeln. Die Tempel sind ganz nah aneinander, so daß man vom einen zum nächsten einfach laufen kann. Auf dem Weg sieht man kleine hübsche Straßen mit kleinen hübschen Häusern, die nichts besonderes sind aber trotzdem anders. Wir hatten das Glück, unsere eigene Turi-guides zu haben (= die Veranstalter der Konferenz), die unsere vielen Fragen über Geschichte und Kultur beantwortet haben. November ist eine gute Zeit, um Kyoto zu besuchen, da das Klima mild ist und die Ahornblätter in den Tempelgärten sind tief rot. Kyotos Geologie ist komisch: die Stadt ist ganz flach, aber von hohen Bergen umringt. Wie Berlin hat Kyoto sein Fernsehturm (Kyoto Tower).
Am Dienstag abend, nachdem wir 5 Tempel nacheinander besichtigt haben, sind wir zum Viertel Gion gelaufen, der Viertel von den Geishas. Habt ihr den Film "Die Geisha" gesehen? Ich nicht, aber ich habe das Buch vor kurzem gelesen, und ich empfehle es euch nicht, wenn ihr auch andere Sachen wie schlafen und arbeiten vorhabt. Es ist sehr schwierig, das Buch zu legen, wenn man damit angefangen hat. Geishas sind keine Prostituierte, sondern Kurtisanen, deren Aufgabe die Unterhaltung von Männern ist. Sie sind hochkultiviert, können Geschichten und Witze erzählen, und sind auch Künstlerinen: Musikerinnen, Tänzerinnen, Sängerinnen etc. Na da in Gion sind wir spazierengegangen und wir haben keine Geishas gesehen, sondern viele Prostituierten und Geschätsmännern.
Das Essen war sehr interessant, es gab komische manchmal elastische Sachen, und viel Reis. Einmal haben wir ein Lunch-Box bekommen, guckt mal das Bild! Es gibt 12 unterschiedliche Sachen in 12 Kästchen, darunter 4 Mal Reis (ein bisschen trocken, aber trotzdem lecker). Ich habe KEINE Sushis gegessen, was für mich ungewöhnlich war, da ich sonst relativ oft Sushis esse. Das Wasser war Evian - sehr umweltfreundlich Wasser so weit zu transportieren... -, 'From the French Alps', das steht in einem Alphabet, das ich lesen kann. Für die anderen 3 Alphabeten ist es schwieriger. Die Japaner nutzen die Chinesischen Charakter, die ihren Sinn behalten aber nicht die Aussprache. Dadurch können Chinesen Japanisch mehr oder weniger verstehen, wenn sie es lesen, aber nicht wenn sie es hören. Sie nutzen auch ein eigenes Japanisches Alphabet, weil die Chinesischen Zeichen nicht ausreichen, um alle Wörter zu schreiben. Dieses Alphabet sieht viel einfacher aus. Für das dritte Alphabet habe ich nicht richtig verstanden!
Die Konferenz war sehr gut, sehr interessant und sehr gut organisiert - bzgl. Zeitplanung sind die Japaner anscheinend noch strenger als die Deutschen ;-) Japan hat eine viel längere Tradition als andere Länder für Ressourceneffizienz. Ok, so wäre es wahrscheinlich auch, wenn in Deutschland so viele Menschen auf so wenig Land leben würden! An der Tagung haben sehr unterschiedliche Menschen teilgenommen - vom Fachgebiet (Ökonomen, Ingenieure, Toxikologe, Soziologe etc.), vom Alter und Status (nicht wissenschaftler, Doktoranden, Profs...), und vom Herkunftinstitution (Unis, öffentlicher Dienst, UNEP - die Umwelt-UNO -, NGOs, leider keiner aus der Industrie).
Noch einmal diese kurze Reise hat mir gezeigt, dass wir Menschen in der Welt alle die gleiche Bedürfnisse haben: Schlafen, essen, (sich) waschen, sich unterhalten, auf die Toilette gehen, kommunizieren... aber je nachdem, wo man ist, nutzt man andere Mittel, um diese Ziele zu erreichen. Daraus ergeben sich Überaschungen, die das sind, was man sucht, wenn man reist!! In Japan habe ich mich weniger "verloren" gefühlt als in China, da trotz Analphabetismus das Leben in "entwickelten" - was heißt Entwicklung? - Ländern vieles gemeinsames hat.
seit fast einer Woche bin ich aus Japan in den USA zurück, verrückt wie die Zeit vergeht. Trozt 10 Stunden Zeitverschiebung war ich gar nicht so müde, und die 14 Stunden im Flugzeug waren nicht so schmerzhaft wie gefürchtet.
Kyoto ist eine sehr turistische Stadt, wo man gut feststellen kann, dass die Japaner nicht nur im Ausland viele Bilder machen! Wir haben relativ wenige nicht-asiatisch-aussehenden Turisten getroffen. Kyoto ist eine 2-Millionen-Eiwohner Stadt mit niedrigen Gebäuden (wegen Erdbeben) und vielen vielen
Am Dienstag abend, nachdem wir 5 Tempel nacheinander besichtigt haben, sind wir zum Viertel Gion gelaufen, der Viertel von den Geishas. Habt ihr den Film "Die Geisha" gesehen? Ich nicht, aber ich habe das Buch vor kurzem gelesen, und ich empfehle es euch nicht, wenn ihr auch andere Sachen wie schlafen und arbeiten vorhabt. Es ist sehr schwierig, das Buch zu legen, wenn man damit angefangen hat. Geishas sind keine Prostituierte, sondern Kurtisanen, deren Aufgabe die Unterhaltung von Männern ist. Sie sind hochkultiviert, können Geschichten und Witze erzählen, und sind auch Künstlerinen: Musikerinnen, Tänzerinnen, Sängerinnen etc. Na da in Gion sind wir spazierengegangen und wir haben keine Geishas gesehen, sondern viele Prostituierten und Geschätsmännern.
Die Konferenz war sehr gut, sehr interessant und sehr gut organisiert - bzgl. Zeitplanung sind die Japaner anscheinend noch strenger als die Deutschen ;-) Japan hat eine viel längere Tradition als andere Länder für Ressourceneffizienz. Ok, so wäre es wahrscheinlich auch, wenn in Deutschland so viele Menschen auf so wenig Land leben würden! An der Tagung haben sehr unterschiedliche Menschen teilgenommen - vom Fachgebiet (Ökonomen, Ingenieure, Toxikologe, Soziologe etc.), vom Alter und Status (nicht wissenschaftler, Doktoranden, Profs...), und vom Herkunftinstitution (Unis, öffentlicher Dienst, UNEP - die Umwelt-UNO -, NGOs, leider keiner aus der Industrie).
Noch einmal diese kurze Reise hat mir gezeigt, dass wir Menschen in der Welt alle die gleiche Bedürfnisse haben: Schlafen, essen, (sich) waschen, sich unterhalten, auf die Toilette gehen, kommunizieren... aber je nachdem, wo man ist, nutzt man andere Mittel, um diese Ziele zu erreichen. Daraus ergeben sich Überaschungen, die das sind, was man sucht, wenn man reist!! In Japan habe ich mich weniger "verloren" gefühlt als in China, da trotz Analphabetismus das Leben in "entwickelten" - was heißt Entwicklung? - Ländern vieles gemeinsames hat.
17 November 2008
Über Kyoto protokollieren
Japan! Seit langem ist es schon in bisschen ein Traum, ein paar Tage hier zu verbringen. Die Gelegenheit hat sich vor ein paar Wochen ergeben, als ich von einem (super bekannten) Forschungsinstitut für ein Workshop eingeladen wurde. Sie haben die ganze Reise bezahlt, also manchmal (meistens) kann ich nicht über mein Job mäckern.
Die Reise war wie immer voll mit Überraschungen. Erstmal eine gute: Die Sicherheitskontrolle am Flughafen in New York, die letztes Mal mindestens eine Stunde gedauert hatten (inklusive Anstehen), hat dieses Mal keine 5 Minuten gedauert. Das war nichts weiteres als bei innereuropäischen Flügen, diese Amis sind echt unberechenbar. Dadurch war ich mehr als 2 Stunden zu früh am Gate.
Am Gate habe ich mich nicht gelangweilt, da mein Computer sich plötzlich total verweigert hat, hochzufahren. Ich habe mir schön Sorgen gemacht, weil ich viel zu tun habe, aber im Flugzeug wurde er wieder kooperationsbereit. Sch... Technologie.
Dann 14 Stunden im Flugzeug, mit Japan Airlines, mit echt überdurchschnittlich gutem Konfort (ein kleines Bildschirm pro Sitz mit gutem Musik, tausend Filmen, darunter nach meinem Geschmack einigen guten Filmen) und mit faszinierenden Naturaussichten am Fenster, da wir über Canada und Alaska geflogen sind. Leider, egal wie komfortabel es ist, es macht nie Spaß, 14 Stunden in einem Metallkiste eingesperrt zu sein. Schon gab es im Flugzeug ein paar seltsame Sachen. Neben mir war ein Japaner, der die ganze Zeit eine Atemschutzmaske anhatte, bestimmt weil er seine Keime so lieb hat dass er sie nicht Unbekannten geben möchte. Die Flugzeitschrift war voll mit kleinen hübschen Zeichen, und die Seitennummerierung war interessant. Die 1. Seite hatte die Nummer 1 (erstaunlich!), die 35. die Nummer 35, die 36. keine Nummer, die 45. die Nummer 151, die 46. die Nummer 150 und die letzte Seite die Nummer 1. Am Fernseher gab es den Wetterbericht auf Japanisch, und das Satellitbild war ein billiges überhaupt nicht interaktives Poster, auf dem der Präsentator die Wolken mit einem Stock gezeigt hat, mit dem man eher Trommel spielen könnte.
Dann Tokyo, 10 Stunden Zeitverschiebung, ein ehrstaunlich kleines Flughafen mit Zen-Musik, Stempel auf dem Pass, irgendwie ein Zugticket nach Kyoto finden (ging schnell), ein Zug nach Tokyo finden, umsteigen (ging auch schnell), Kyoto, Hotel finden (ging überhaupt nicht schnell). Heute war das Workshop, es war inhaltlich sehr schön aber davon werde ich erst später erzählen, weil es jetzt Zeit für das Abendessen ist!!
Viele Grüße,
Perrine
PS: Bilder mache ich, aber da ich das Kabel in den US vergessen habe, werde ich sie später hochladen!!
Die Reise war wie immer voll mit Überraschungen. Erstmal eine gute: Die Sicherheitskontrolle am Flughafen in New York, die letztes Mal mindestens eine Stunde gedauert hatten (inklusive Anstehen), hat dieses Mal keine 5 Minuten gedauert. Das war nichts weiteres als bei innereuropäischen Flügen, diese Amis sind echt unberechenbar. Dadurch war ich mehr als 2 Stunden zu früh am Gate.
Am Gate habe ich mich nicht gelangweilt, da mein Computer sich plötzlich total verweigert hat, hochzufahren. Ich habe mir schön Sorgen gemacht, weil ich viel zu tun habe, aber im Flugzeug wurde er wieder kooperationsbereit. Sch... Technologie.
Dann 14 Stunden im Flugzeug, mit Japan Airlines, mit echt überdurchschnittlich gutem Konfort (ein kleines Bildschirm pro Sitz mit gutem Musik, tausend Filmen, darunter nach meinem Geschmack einigen guten Filmen) und mit faszinierenden Naturaussichten am Fenster, da wir über Canada und Alaska geflogen sind. Leider, egal wie komfortabel es ist, es macht nie Spaß, 14 Stunden in einem Metallkiste eingesperrt zu sein. Schon gab es im Flugzeug ein paar seltsame Sachen. Neben mir war ein Japaner, der die ganze Zeit eine Atemschutzmaske anhatte, bestimmt weil er seine Keime so lieb hat dass er sie nicht Unbekannten geben möchte. Die Flugzeitschrift war voll mit kleinen hübschen Zeichen, und die Seitennummerierung war interessant. Die 1. Seite hatte die Nummer 1 (erstaunlich!), die 35. die Nummer 35, die 36. keine Nummer, die 45. die Nummer 151, die 46. die Nummer 150 und die letzte Seite die Nummer 1. Am Fernseher gab es den Wetterbericht auf Japanisch, und das Satellitbild war ein billiges überhaupt nicht interaktives Poster, auf dem der Präsentator die Wolken mit einem Stock gezeigt hat, mit dem man eher Trommel spielen könnte.
Dann Tokyo, 10 Stunden Zeitverschiebung, ein ehrstaunlich kleines Flughafen mit Zen-Musik, Stempel auf dem Pass, irgendwie ein Zugticket nach Kyoto finden (ging schnell), ein Zug nach Tokyo finden, umsteigen (ging auch schnell), Kyoto, Hotel finden (ging überhaupt nicht schnell). Heute war das Workshop, es war inhaltlich sehr schön aber davon werde ich erst später erzählen, weil es jetzt Zeit für das Abendessen ist!!
Viele Grüße,
Perrine
PS: Bilder mache ich, aber da ich das Kabel in den US vergessen habe, werde ich sie später hochladen!!
11 November 2008
Amis und Sonne
Bis zum 30. Dezember werde ich in Amerika sein, mit einem kleinen Sprung nach Japan vom 15. bis zum 20. November für eine Tagung. Vor allem bin ich aus beruflichen Gründen hier, wobei ich auch vor allem da bin, um Freunde aus dem Studium in Lyon zu besuchen, die in New York bzw. in Raleigh in North Carolina leben. Leider sehen wir uns viel zu selten. Bzgl. Berufs geht es darum, Recyclinganlagen für Elektronikschrott zu besichtigen, mit einigen Leuten über das US Recyclingsystem für E-Schrott zu sprechen und Leute an der Yale University zu besuchen, weil sie seit Jahren ähnliche Studien wie meine durchführen. Ausnahmerweise müsst ihr die Details davon nicht lesen.
17 February 2007
When human beings build mountains... (Indien)
Hallo,
Der Titel der Email bezieht sich auf der Besichtigung der größten Deponie in Delhi, die wir am Dienstag gemacht haben. Nach einem langen und vollen Konferenztag haben wir über unsere Anzüge und Kostüme unsere Jacke angezogen und wir sind zur Deponie gefahren. Es war sehenswert…
In Europa könnte man eine solche Deponie als « wilde Deponie » bezeichnen aber das Wort kann man in Delhi nicht wirklich verwenden, weil die Abfälle von der Gemeinde selbst mit öffentlichen Müllfahrzeugen dorthin gebracht werden. Mehrere Tausende Tonne pro Tag! Seit Jahren. Die Deponie wurde in den Neunzigern « eröffnet » und hätte 2005 geschlossen werden sollen, wenn es eine andere Alternative als diese Deponie gegeben hätte. Als die Deponie eröffnet wurde, wurde der Müll in ein 10-Meter-tiefes Loch geworfen. Dann waren die Abfälle auf dem Niveau des Bodens, jetzt ist das Müllberg 30 Meter hoch über viele Hektare. Und was denkt ihr, dass es neben der Deponie gibt?? Eine Industrie? Ja, es gibt ein Zementwerk aber das ist noch ok. Einen Wohngebiet? Ja, auch, aber nicht nur ! Ein geschütztes Naturgebiet ? Ja ! Einen geschützten Wald gibt es nebenbei! Symbolisch ist die Mülldeponie seit einigen Monaten höher als der höchste Punkt des Walds! Aber das ist noch nicht das schlimmste! Direkt nebenbei gibt es ein Krankenhaus!!!!!!!!!!!!!!! Gut ausgewählter Ort oder??
Wie ihr vielleicht wisst, wilde Deponien verursachen unterschiedliche Verschmutzungen, wie Oberfläche- und Grundwasserverschmutzungen (einen leckeren schwarzen Saft), Luftverschmutzung (Methan für das Klima, Staub für die Nachbar, andere Gifte für alle), Geruch, Selbstentzündung der Abfälle und Brände. Zurzeit ist das Wetter schön und angenehm (ungefähr 22° tagsüber, 10 bis 15° nachts) und am Anfang der Woche gab es einige kurze und kräftige Regenschauer. In diesen Bedingungen haben wir schon Feuer gesehen, dann kann ich mich nicht vorstellen, wie die Deponie im Mai oder Juni aussieht, wenn die Temperatur 45° oder sogar mehr beträgt. Unser Projektpartner aus Delhi, der die Deponie bei allen Wettern kennt, hat uns geraten, daran nicht zu denken… Sein Rat gilt bestimmt auch für die Regenzeit im Sommer…
Im Allgemeinen lässt der Umweltschutz hier zu wünschen. Das ist keine Überraschung, weil der Mensch sich nur für die Umwelt interessiert, wenn er nicht fürs Überleben kämpfen muss. Aber eine der Besonderheiten der Inder ist ihre Ehrlichkeit. Sie denken nicht, dass sie unangenehme Sachen verstecken sollen und dass sie die Oberfläche und die Erscheinung pflegen müssen. Sie haben keine Angst, mit uns über ihren riesigen Müllbergen spazieren zu gehen, sie haben keine Angst, sich mit ihren ausländischen Eingeladenen über die katastrophalen Auswirkungen ihrer kaum existierenden Abfallwirtschaft zu unterhalten. Das ist eine riesige Unterschied damit, was sie uns in China gezeigt hatten. Es ist lustig, zu versuchen, die Strategien zu verstehen, die angewandt werden, um zu ermöglichen, dass mehr als eine Milliarde Leute zusammen wohnen können. In China wird Homogenität und Ameisenhaufenorganisation gefordert. In Indien muss jeder um sein eigenes Überleben unter Erfüllung strenger Spielregeln kämpfen (Respekt des Hierarchiesystems –Kasten oder einfach an der Uni-, Werte). Die Inder finden, eine Gemeinschaft muss sich intern, von sich selbst, organisch wie unser indischer Kolleg sagt, entwickeln und der Staat soll möglichst wenig in diese Entwicklung eingreifen. Die Vielfalt, die Heterogenität muss respektiert werden, deswegen hat Indien 17 offizielle Sprachen, jede Menge Religionen und Ethnien. Da haben die Engländer bestimmt eine Rolle gespielt. Ich äußere meine Meinung nicht aber finde interessant, festzustellen, das die chinesische und indische Systeme so unterschiedlich sind aber dass sie eine Gemeinsamkeit haben: sie sind beide gar nicht demokratisch! Das ist auch interessant, sich darüber mit den chinesischen Freunden des Projekts zu unterhalten.
Jetzt bin ich seit einer Woche hier. Von Sonntag Nachmittag bis Mittwoch war die Konferenz. Das war über Abfallwirtschaft (Abfallvermeidung, -reduzierung, -recycling, Deponien) und war sehr produktiv, hauptsächlich weil die Inder so hemmungslos über ihre Probleme reden. Ich habe über illegal aus Europa und Amerika nach Indien exportierten Elektroschrott geredet und habe interessante Feedbacks gekriegt.
Die Gruppe von Wissenschaftlern aus Unis in den Niederländern, China, Indien und Deutschland ist bunt und nett. Es wird viel gequatscht und gelacht. Die Leute sind zwischen 22 und 60 Jahren alt, vom kleinen Doktorand zum alten Professor sind alle nett, offen,froh, da zu sein. Abends gehen wir was trinken und wir sprechen über die Welt, „ohne dass die Welt es merkt“ (das ist der Text eines netten Lieds aus Frankreich).
Über den Alltag hier… (es gibt viel zu erzählen !)
Erstmal das Wichtigste überhaupt: Das Essen. Hier ist der Paradies!!! Das Essen ist voll super lecker! Sie verwenden geile Gewürze und als Vegetarier erlebt man einen Traum, weil wenn es Fleisch gibt, was nicht so oft passiert, gibt es einen riesigen Schild: „Non-vegetarian“! Missverständnis ist unmöglich! Das zweite beste Ding der Welt: Schlafen. Davon abgesehen, dass wir eh kaum Zeit zum Schlafen hatten, war es nicht so einfach. Die Matratze stinkt nach Feuchtigkeit, die Uni ist nicht weit vom Flughafen, um 6:30 Uhr kommt jeden Morgen jemand, der „Morning tea“ anbietet, um 7:00 Uhr stehen die Leute auf und schalten ihre Autos, ihre Fernsehen und ihre Kinder ein, die Wände sind ungefähr so lärmdicht wie Papierblätter, in den ersten Nächten gab es kräftige Gewitter... Nicht so ruhig!! Zum Glück reicht es mir nicht aus, ich konnte trotzdem schlafen. Das war nicht für alle der Fall. Bis heute habe ich im Guesthouse geschlafen, wie alle andere „zweite-Klasse“-Eingeladene (= die nicht Professoren, wie gesagt ist in Indien die Hierarchie sehr stark!) und heute bin ich in einen der Frauenstudentenwohnheime eingezogen. Ich fühle mich durcheinander durch die letzten ereignis- und emotionsvollen Tage. Heute „Vormittag“ bin ich nach einem 12-Stunden-Schaf aufgestanden, habe gepackt, bin umgezogen und habe festgestellt, dass ich hungrig war. Dann habe ich mich daran erinnert, dass ich seit fast 24 Stunden nichts gegessen hatte. Alles ist ein bisschen chaotisch, es macht Spaß!
Bezüglich Wohnens ist alles nur Luxus ist! Ich schicke euch keine Fotos, sonst würdet ihr neidig. Im Guesthouse waren wir zur zweit in einem Zimmer, mit einem schönen Beton-Fußboden und einer tollen 3-Tropfen-Dusche. Im Studentenwohnheim ist es noch lustiger. Hier schlafen wir zu Dritt in einem 16-quadratmeter-Raum, die drei Betten stehen direkt aneinander, Toilette gibt es im Gang, manchmal gibt es kein Wasser und Heizung gibt es nie. Es ist lustig, ich lebe wieder, wie ich an der Uni in Frankreich gelebt hatte. Der Campus in Frankreich ist mit dem Campus hier absolut vergleichbar. Die Studenten wohnen darauf, außer dass wir in Frankreich 2 und nicht 3 Studenten pro Zimmer waren. Ich mag kein Luxus und ich mag menschliche Wärme, hier ist es für beide mehr als ok!! Finanziell ist es auch akzeptabel: 1200 Roupies, etwas mehr als 20 Euros, für 9 Tage inklusiv 3 Essen pro Tag. Es geht noch gerade.
Gestern haben wir was tolles gemacht: wir haben den Zug vom Agra (wir haben der Taj Mahal besichtigt, guckt unter Google wenn ihr wollt, dass ist der indische Eifel-Turm oder der indische Brandenburger Tor je nachdem) nach Delhi genommen! Ein Abenteuer ist es!
Zuerst kommen im Bahnhof jede Menge Leute zu den Ausländern, um uns anzusprechen, um zu betteln oder um die Schuhe zu putzen. Es gibt keine Zeit zum Langweilen. Die Bettelkinder sind ganz nett, sie haben akzeptiert, mit mir zu spielen und wir haben viel Spass daran gehabt, auf dem Bahnsteig Rock’n’Roll zu tanzen. Die Kinder sind super süss mit ihren schwarzen Augen und ihre stehende Haare. Ich hätte sie fast gleich adoptiert. Dann kam der Zug und es war ein großes Chaos. Man muss möglichst schnell einsteigen, weil der Zug nicht wartet, bis alle eingestiegen sind, um loszufahren. Dann haben wir unsere Sitze gesucht (wir hatten Sitzplätze in der 6. Klasse, die letzte Sitzklasse), die wir schnell gefunden haben aber das war nicht für alle der Fall. Da es keinen Zugplan gibt steigt man durch irgendwelche Tür ein und läuft durch den ganzen Zug durch, wenn man Pech hat. Durch den ganzen Zug laufen sowieso ständig viele Leute durch, die Essen und Trinken verkaufen. Es wird ziemlich voll. Die Bänke im Zug sind für 3 Leute mit kleinem Hinter und es war etwas eng, aber nicht so eng wie die Leute auf dem Bank vor uns, die zu viert waren und spontan einer Frau, die keine Reservierung hatte, angeboten haben, mitzusitzen. So was könnte nicht in der U-Bahn in Berlin passieren! Die Toiletten sind sehenswert, die Türe bleiben während der Fahrt auf und die Fenster haben keine Glasscheiben, sondern Metallstange. Im Ankunftsbahnhof (eine Stunde Verspätung, normal) sind wir wie immer von vielen Taxifahrern angegriffen worden. Der, der uns „gewonnen“ hat, hat sich 5 Minuten lang über seine Kollegen lustig gemacht, die „verloren“ hatten.
Im Allgemeinen können wir nicht unauffällig rumlaufen, ich auch nicht, trotz meiner kleinen Körpergröße, meiner dunklen Haut, meiner schwarzen Haaren und Augen ;-). Aber es stört mich nicht so, wie ich es gefürchtet hatte. Die Leute sind ein bisschen interessiert, starren uns kurz an und dann machen sie ihre Dinge weiter. Es ist völlig in Ordnung. Und das Wichtigste: Es macht mir keine Angst. Es sieht alles ungefährlich aus. Die Leute sind relax, beschäftigt oder einfach sitzend oder in der indischen Art hockend (mit den Fersen auf dem Boden, das können viele Europäer nicht). Hier rauchen und trinken die armen Leute nicht, was in der Welt nicht so üblich ist! Auf der Strasse haben die Tiere auch kein Stress. Die Autos müssen um die Kühe herum fahren, die Hunde laufen friedlich rum, die Ziegel beobachten, die Kamellen müssen arbeiten. Die Farben sind schön und die Menschen auch, besonders die Frauen in ihren farblichen Sari. Was ich nicht mag, ist kaufen: Man muss verhandeln, ich hasse es. Es ist mir völlig Wurst, für ein Ding 1,3 oder 1,7 Euro zu bezahlen. Aber wenn man nicht verhandelt, macht es den Indern keinen Gefallen, weil sie sich nicht frei fühlen sollten, von den Ausländern immer viel Geld zu verlangen und sie für dumm zu halten. Es ist schwierig abzuschätzen, unter welchem Preis der Verkäufer kein Geld mehr für seine Familie hat und ab welchem Preis es übertrieben ist. Seit meinen Kollegen seit gestern weg sind, muss ich jetzt leider selbst verhandeln! In den nächsten Tagen habe ich vor, einen halben Tag pro Tag spazieren zu gehen und der Rest der Zeit zu arbeiten. Meine beiden Mitbewohnerinnen sind ganz nett, die Nachbarinnen und die anderen Studentinnen im Wohnheim auch. Die Leute lächeln und sprechen miteinander, es ist ganz entspannt und angenehm. Sie sprechen immer Hindi (außer mit mir, Englisch können sie natürlich auch). In Hindi kann ich jetzt zwei wichtige Dinge sagen: „leckeres Essen“ und „Tourist, aber nicht dumm“. Den zweiten Satz kann ich noch nicht gut, weil es drinnen zwei unaussprechbare Töne gibt. Aber wenn die Leute mich verstehen, funktioniert der Überraschungseffekt mit den vielen Straßenverkäufern wunderbar!
Am Montag treffe ich einen Typ aus der Umweltabteilung der Stadt Delhi (doch, doch, die Abteilung gibt es!). Es sollte spannend sein. Ich werde auch eine Doktorandin der Uni hier treffen, die auch mit Elektroschrott arbeitet. Der Highlight dieser Woche soll am Freitag sein. Ich möchte die „Straßen-E-Schrott-Recycler“ treffen, die ohne irgendeine Arbeits- oder Umweltschutzmaßnahmen mit offener Verbrennung und Säurebaden Metall rückgewinnen. Die Doktorandin hat mich gefragt, ob ich wirklich hin möchte und hat gewarnt: Es wird hart sein. Das bezweifle ich nicht.
Die Email war lang! Ich schicke euch viele liebe Grüße aus Delhi, hoffentlich geht es euch gut,
Perrine
Der Titel der Email bezieht sich auf der Besichtigung der größten Deponie in Delhi, die wir am Dienstag gemacht haben. Nach einem langen und vollen Konferenztag haben wir über unsere Anzüge und Kostüme unsere Jacke angezogen und wir sind zur Deponie gefahren. Es war sehenswert…
In Europa könnte man eine solche Deponie als « wilde Deponie » bezeichnen aber das Wort kann man in Delhi nicht wirklich verwenden, weil die Abfälle von der Gemeinde selbst mit öffentlichen Müllfahrzeugen dorthin gebracht werden. Mehrere Tausende Tonne pro Tag! Seit Jahren. Die Deponie wurde in den Neunzigern « eröffnet » und hätte 2005 geschlossen werden sollen, wenn es eine andere Alternative als diese Deponie gegeben hätte. Als die Deponie eröffnet wurde, wurde der Müll in ein 10-Meter-tiefes Loch geworfen. Dann waren die Abfälle auf dem Niveau des Bodens, jetzt ist das Müllberg 30 Meter hoch über viele Hektare. Und was denkt ihr, dass es neben der Deponie gibt?? Eine Industrie? Ja, es gibt ein Zementwerk aber das ist noch ok. Einen Wohngebiet? Ja, auch, aber nicht nur ! Ein geschütztes Naturgebiet ? Ja ! Einen geschützten Wald gibt es nebenbei! Symbolisch ist die Mülldeponie seit einigen Monaten höher als der höchste Punkt des Walds! Aber das ist noch nicht das schlimmste! Direkt nebenbei gibt es ein Krankenhaus!!!!!!!!!!!!!!! Gut ausgewählter Ort oder??
Wie ihr vielleicht wisst, wilde Deponien verursachen unterschiedliche Verschmutzungen, wie Oberfläche- und Grundwasserverschmutzungen (einen leckeren schwarzen Saft), Luftverschmutzung (Methan für das Klima, Staub für die Nachbar, andere Gifte für alle), Geruch, Selbstentzündung der Abfälle und Brände. Zurzeit ist das Wetter schön und angenehm (ungefähr 22° tagsüber, 10 bis 15° nachts) und am Anfang der Woche gab es einige kurze und kräftige Regenschauer. In diesen Bedingungen haben wir schon Feuer gesehen, dann kann ich mich nicht vorstellen, wie die Deponie im Mai oder Juni aussieht, wenn die Temperatur 45° oder sogar mehr beträgt. Unser Projektpartner aus Delhi, der die Deponie bei allen Wettern kennt, hat uns geraten, daran nicht zu denken… Sein Rat gilt bestimmt auch für die Regenzeit im Sommer…
Im Allgemeinen lässt der Umweltschutz hier zu wünschen. Das ist keine Überraschung, weil der Mensch sich nur für die Umwelt interessiert, wenn er nicht fürs Überleben kämpfen muss. Aber eine der Besonderheiten der Inder ist ihre Ehrlichkeit. Sie denken nicht, dass sie unangenehme Sachen verstecken sollen und dass sie die Oberfläche und die Erscheinung pflegen müssen. Sie haben keine Angst, mit uns über ihren riesigen Müllbergen spazieren zu gehen, sie haben keine Angst, sich mit ihren ausländischen Eingeladenen über die katastrophalen Auswirkungen ihrer kaum existierenden Abfallwirtschaft zu unterhalten. Das ist eine riesige Unterschied damit, was sie uns in China gezeigt hatten. Es ist lustig, zu versuchen, die Strategien zu verstehen, die angewandt werden, um zu ermöglichen, dass mehr als eine Milliarde Leute zusammen wohnen können. In China wird Homogenität und Ameisenhaufenorganisation gefordert. In Indien muss jeder um sein eigenes Überleben unter Erfüllung strenger Spielregeln kämpfen (Respekt des Hierarchiesystems –Kasten oder einfach an der Uni-, Werte). Die Inder finden, eine Gemeinschaft muss sich intern, von sich selbst, organisch wie unser indischer Kolleg sagt, entwickeln und der Staat soll möglichst wenig in diese Entwicklung eingreifen. Die Vielfalt, die Heterogenität muss respektiert werden, deswegen hat Indien 17 offizielle Sprachen, jede Menge Religionen und Ethnien. Da haben die Engländer bestimmt eine Rolle gespielt. Ich äußere meine Meinung nicht aber finde interessant, festzustellen, das die chinesische und indische Systeme so unterschiedlich sind aber dass sie eine Gemeinsamkeit haben: sie sind beide gar nicht demokratisch! Das ist auch interessant, sich darüber mit den chinesischen Freunden des Projekts zu unterhalten.
Jetzt bin ich seit einer Woche hier. Von Sonntag Nachmittag bis Mittwoch war die Konferenz. Das war über Abfallwirtschaft (Abfallvermeidung, -reduzierung, -recycling, Deponien) und war sehr produktiv, hauptsächlich weil die Inder so hemmungslos über ihre Probleme reden. Ich habe über illegal aus Europa und Amerika nach Indien exportierten Elektroschrott geredet und habe interessante Feedbacks gekriegt.
Die Gruppe von Wissenschaftlern aus Unis in den Niederländern, China, Indien und Deutschland ist bunt und nett. Es wird viel gequatscht und gelacht. Die Leute sind zwischen 22 und 60 Jahren alt, vom kleinen Doktorand zum alten Professor sind alle nett, offen,froh, da zu sein. Abends gehen wir was trinken und wir sprechen über die Welt, „ohne dass die Welt es merkt“ (das ist der Text eines netten Lieds aus Frankreich).
Über den Alltag hier… (es gibt viel zu erzählen !)
Erstmal das Wichtigste überhaupt: Das Essen. Hier ist der Paradies!!! Das Essen ist voll super lecker! Sie verwenden geile Gewürze und als Vegetarier erlebt man einen Traum, weil wenn es Fleisch gibt, was nicht so oft passiert, gibt es einen riesigen Schild: „Non-vegetarian“! Missverständnis ist unmöglich! Das zweite beste Ding der Welt: Schlafen. Davon abgesehen, dass wir eh kaum Zeit zum Schlafen hatten, war es nicht so einfach. Die Matratze stinkt nach Feuchtigkeit, die Uni ist nicht weit vom Flughafen, um 6:30 Uhr kommt jeden Morgen jemand, der „Morning tea“ anbietet, um 7:00 Uhr stehen die Leute auf und schalten ihre Autos, ihre Fernsehen und ihre Kinder ein, die Wände sind ungefähr so lärmdicht wie Papierblätter, in den ersten Nächten gab es kräftige Gewitter... Nicht so ruhig!! Zum Glück reicht es mir nicht aus, ich konnte trotzdem schlafen. Das war nicht für alle der Fall. Bis heute habe ich im Guesthouse geschlafen, wie alle andere „zweite-Klasse“-Eingeladene (= die nicht Professoren, wie gesagt ist in Indien die Hierarchie sehr stark!) und heute bin ich in einen der Frauenstudentenwohnheime eingezogen. Ich fühle mich durcheinander durch die letzten ereignis- und emotionsvollen Tage. Heute „Vormittag“ bin ich nach einem 12-Stunden-Schaf aufgestanden, habe gepackt, bin umgezogen und habe festgestellt, dass ich hungrig war. Dann habe ich mich daran erinnert, dass ich seit fast 24 Stunden nichts gegessen hatte. Alles ist ein bisschen chaotisch, es macht Spaß!
Bezüglich Wohnens ist alles nur Luxus ist! Ich schicke euch keine Fotos, sonst würdet ihr neidig. Im Guesthouse waren wir zur zweit in einem Zimmer, mit einem schönen Beton-Fußboden und einer tollen 3-Tropfen-Dusche. Im Studentenwohnheim ist es noch lustiger. Hier schlafen wir zu Dritt in einem 16-quadratmeter-Raum, die drei Betten stehen direkt aneinander, Toilette gibt es im Gang, manchmal gibt es kein Wasser und Heizung gibt es nie. Es ist lustig, ich lebe wieder, wie ich an der Uni in Frankreich gelebt hatte. Der Campus in Frankreich ist mit dem Campus hier absolut vergleichbar. Die Studenten wohnen darauf, außer dass wir in Frankreich 2 und nicht 3 Studenten pro Zimmer waren. Ich mag kein Luxus und ich mag menschliche Wärme, hier ist es für beide mehr als ok!! Finanziell ist es auch akzeptabel: 1200 Roupies, etwas mehr als 20 Euros, für 9 Tage inklusiv 3 Essen pro Tag. Es geht noch gerade.
Gestern haben wir was tolles gemacht: wir haben den Zug vom Agra (wir haben der Taj Mahal besichtigt, guckt unter Google wenn ihr wollt, dass ist der indische Eifel-Turm oder der indische Brandenburger Tor je nachdem) nach Delhi genommen! Ein Abenteuer ist es!
Zuerst kommen im Bahnhof jede Menge Leute zu den Ausländern, um uns anzusprechen, um zu betteln oder um die Schuhe zu putzen. Es gibt keine Zeit zum Langweilen. Die Bettelkinder sind ganz nett, sie haben akzeptiert, mit mir zu spielen und wir haben viel Spass daran gehabt, auf dem Bahnsteig Rock’n’Roll zu tanzen. Die Kinder sind super süss mit ihren schwarzen Augen und ihre stehende Haare. Ich hätte sie fast gleich adoptiert. Dann kam der Zug und es war ein großes Chaos. Man muss möglichst schnell einsteigen, weil der Zug nicht wartet, bis alle eingestiegen sind, um loszufahren. Dann haben wir unsere Sitze gesucht (wir hatten Sitzplätze in der 6. Klasse, die letzte Sitzklasse), die wir schnell gefunden haben aber das war nicht für alle der Fall. Da es keinen Zugplan gibt steigt man durch irgendwelche Tür ein und läuft durch den ganzen Zug durch, wenn man Pech hat. Durch den ganzen Zug laufen sowieso ständig viele Leute durch, die Essen und Trinken verkaufen. Es wird ziemlich voll. Die Bänke im Zug sind für 3 Leute mit kleinem Hinter und es war etwas eng, aber nicht so eng wie die Leute auf dem Bank vor uns, die zu viert waren und spontan einer Frau, die keine Reservierung hatte, angeboten haben, mitzusitzen. So was könnte nicht in der U-Bahn in Berlin passieren! Die Toiletten sind sehenswert, die Türe bleiben während der Fahrt auf und die Fenster haben keine Glasscheiben, sondern Metallstange. Im Ankunftsbahnhof (eine Stunde Verspätung, normal) sind wir wie immer von vielen Taxifahrern angegriffen worden. Der, der uns „gewonnen“ hat, hat sich 5 Minuten lang über seine Kollegen lustig gemacht, die „verloren“ hatten.
Im Allgemeinen können wir nicht unauffällig rumlaufen, ich auch nicht, trotz meiner kleinen Körpergröße, meiner dunklen Haut, meiner schwarzen Haaren und Augen ;-). Aber es stört mich nicht so, wie ich es gefürchtet hatte. Die Leute sind ein bisschen interessiert, starren uns kurz an und dann machen sie ihre Dinge weiter. Es ist völlig in Ordnung. Und das Wichtigste: Es macht mir keine Angst. Es sieht alles ungefährlich aus. Die Leute sind relax, beschäftigt oder einfach sitzend oder in der indischen Art hockend (mit den Fersen auf dem Boden, das können viele Europäer nicht). Hier rauchen und trinken die armen Leute nicht, was in der Welt nicht so üblich ist! Auf der Strasse haben die Tiere auch kein Stress. Die Autos müssen um die Kühe herum fahren, die Hunde laufen friedlich rum, die Ziegel beobachten, die Kamellen müssen arbeiten. Die Farben sind schön und die Menschen auch, besonders die Frauen in ihren farblichen Sari. Was ich nicht mag, ist kaufen: Man muss verhandeln, ich hasse es. Es ist mir völlig Wurst, für ein Ding 1,3 oder 1,7 Euro zu bezahlen. Aber wenn man nicht verhandelt, macht es den Indern keinen Gefallen, weil sie sich nicht frei fühlen sollten, von den Ausländern immer viel Geld zu verlangen und sie für dumm zu halten. Es ist schwierig abzuschätzen, unter welchem Preis der Verkäufer kein Geld mehr für seine Familie hat und ab welchem Preis es übertrieben ist. Seit meinen Kollegen seit gestern weg sind, muss ich jetzt leider selbst verhandeln! In den nächsten Tagen habe ich vor, einen halben Tag pro Tag spazieren zu gehen und der Rest der Zeit zu arbeiten. Meine beiden Mitbewohnerinnen sind ganz nett, die Nachbarinnen und die anderen Studentinnen im Wohnheim auch. Die Leute lächeln und sprechen miteinander, es ist ganz entspannt und angenehm. Sie sprechen immer Hindi (außer mit mir, Englisch können sie natürlich auch). In Hindi kann ich jetzt zwei wichtige Dinge sagen: „leckeres Essen“ und „Tourist, aber nicht dumm“. Den zweiten Satz kann ich noch nicht gut, weil es drinnen zwei unaussprechbare Töne gibt. Aber wenn die Leute mich verstehen, funktioniert der Überraschungseffekt mit den vielen Straßenverkäufern wunderbar!
Am Montag treffe ich einen Typ aus der Umweltabteilung der Stadt Delhi (doch, doch, die Abteilung gibt es!). Es sollte spannend sein. Ich werde auch eine Doktorandin der Uni hier treffen, die auch mit Elektroschrott arbeitet. Der Highlight dieser Woche soll am Freitag sein. Ich möchte die „Straßen-E-Schrott-Recycler“ treffen, die ohne irgendeine Arbeits- oder Umweltschutzmaßnahmen mit offener Verbrennung und Säurebaden Metall rückgewinnen. Die Doktorandin hat mich gefragt, ob ich wirklich hin möchte und hat gewarnt: Es wird hart sein. Das bezweifle ich nicht.
Die Email war lang! Ich schicke euch viele liebe Grüße aus Delhi, hoffentlich geht es euch gut,
Perrine
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