25 November 2008

Und, wie ist Japan?

Hallo,

seit fast einer Woche bin ich aus Japan in den USA zurück, verrückt wie die Zeit vergeht. Trozt 10 Stunden Zeitverschiebung war ich gar nicht so müde, und die 14 Stunden im Flugzeug waren nicht so schmerzhaft wie gefürchtet.

Erstmal ein paar Wörter über den Shinkansen, dieser Zug mit einer langen Nase, der durch ganz Japan fährt. Wie auch immer sie das machen: Im Zug sind ALLE Sitze in der Fahrtrichtung! Sowohl im Zug von Tokyo nach Kyoto als auch in der anderen Richtung! Sie sind stark diese Japaner. Vom Zugfenster aus sieht man den Mount Fuji, ein eingeschlafener Vulkan mit dem Kopf im Schnee, und auch der höchste Berg Japans. Er strahlt viel Ruhe aus.

Kyoto ist eine sehr turistische Stadt, wo man gut feststellen kann, dass die Japaner nicht nur im Ausland viele Bilder machen! Wir haben relativ wenige nicht-asiatisch-aussehenden Turisten getroffen. Kyoto ist eine 2-Millionen-Eiwohner Stadt mit niedrigen Gebäuden (wegen Erdbeben) und vielen vielen Tempeln. Die Tempel sind ganz nah aneinander, so daß man vom einen zum nächsten einfach laufen kann. Auf dem Weg sieht man kleine hübsche Straßen mit kleinen hübschen Häusern, die nichts besonderes sind aber trotzdem anders. Wir hatten das Glück, unsere eigene Turi-guides zu haben (= die Veranstalter der Konferenz), die unsere vielen Fragen über Geschichte und Kultur beantwortet haben. November ist eine gute Zeit, um Kyoto zu besuchen, da das Klima mild ist und die Ahornblätter in den Tempelgärten sind tief rot. Kyotos Geologie ist komisch: die Stadt ist ganz flach, aber von hohen Bergen umringt. Wie Berlin hat Kyoto sein Fernsehturm (Kyoto Tower).

Am Dienstag abend, nachdem wir 5 Tempel nacheinander besichtigt haben, sind wir zum Viertel Gion gelaufen, der Viertel von den Geishas. Habt ihr den Film "Die Geisha" gesehen? Ich nicht, aber ich habe das Buch vor kurzem gelesen, und ich empfehle es euch nicht, wenn ihr auch andere Sachen wie schlafen und arbeiten vorhabt. Es ist sehr schwierig, das Buch zu legen, wenn man damit angefangen hat. Geishas sind keine Prostituierte, sondern Kurtisanen, deren Aufgabe die Unterhaltung von Männern ist. Sie sind hochkultiviert, können Geschichten und Witze erzählen, und sind auch Künstlerinen: Musikerinnen, Tänzerinnen, Sängerinnen etc. Na da in Gion sind wir spazierengegangen und wir haben keine Geishas gesehen, sondern viele Prostituierten und Geschätsmännern.

Das Essen war sehr interessant, es gab komische manchmal elastische Sachen, und viel Reis. Einmal haben wir ein Lunch-Box bekommen, guckt mal das Bild! Es gibt 12 unterschiedliche Sachen in 12 Kästchen, darunter 4 Mal Reis (ein bisschen trocken, aber trotzdem lecker). Ich habe KEINE Sushis gegessen, was für mich ungewöhnlich war, da ich sonst relativ oft Sushis esse. Das Wasser war Evian - sehr umweltfreundlich Wasser so weit zu transportieren... -, 'From the French Alps', das steht in einem Alphabet, das ich lesen kann. Für die anderen 3 Alphabeten ist es schwieriger. Die Japaner nutzen die Chinesischen Charakter, die ihren Sinn behalten aber nicht die Aussprache. Dadurch können Chinesen Japanisch mehr oder weniger verstehen, wenn sie es lesen, aber nicht wenn sie es hören. Sie nutzen auch ein eigenes Japanisches Alphabet, weil die Chinesischen Zeichen nicht ausreichen, um alle Wörter zu schreiben. Dieses Alphabet sieht viel einfacher aus. Für das dritte Alphabet habe ich nicht richtig verstanden!

Die Konferenz war sehr gut, sehr interessant und sehr gut organisiert - bzgl. Zeitplanung sind die Japaner anscheinend noch strenger als die Deutschen ;-) Japan hat eine viel längere Tradition als andere Länder für Ressourceneffizienz. Ok, so wäre es wahrscheinlich auch, wenn in Deutschland so viele Menschen auf so wenig Land leben würden! An der Tagung haben sehr unterschiedliche Menschen teilgenommen - vom Fachgebiet (Ökonomen, Ingenieure, Toxikologe, Soziologe etc.), vom Alter und Status (nicht wissenschaftler, Doktoranden, Profs...), und vom Herkunftinstitution (Unis, öffentlicher Dienst, UNEP - die Umwelt-UNO -, NGOs, leider keiner aus der Industrie).

Noch einmal diese kurze Reise hat mir gezeigt, dass wir Menschen in der Welt alle die gleiche Bedürfnisse haben: Schlafen, essen, (sich) waschen, sich unterhalten, auf die Toilette gehen, kommunizieren... aber je nachdem, wo man ist, nutzt man andere Mittel, um diese Ziele zu erreichen. Daraus ergeben sich Überaschungen, die das sind, was man sucht, wenn man reist!! In Japan habe ich mich weniger "verloren" gefühlt als in China, da trotz Analphabetismus das Leben in "entwickelten" - was heißt Entwicklung? - Ländern vieles gemeinsames hat.

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