Wer hätte geglaubt, irgendwann von den Launen eines Isländischen Vulkans abhängig zu werden ? Wahrscheinlich nicht meine Schwester, die „leider“ in Urlaub in Kanada stecken geblieben ist.
Mich hat es auch teilweise erwischt, da ich heute morgen nach Brüssel hätte fliegen sollen, um den heutigen Abend mit meiner Schwester in Lille (bei den Ch’tis) zu verbringen und morgen früh nach Brügge zu einer Konferenz weiterzufahren. Mit dem Besuch zu meiner Schwester hat es nicht geklappt, weil es diejenige ist, die weg von Kanada kommt (soweit ich weiß habe ich nur eine Schwester). Aber da Belgien nicht weit weg liegt, habe ich dem Vulkan nicht erlaubt, dass er mich die Konferenz verpassen lässt, und bin mit dem Zug losgefahren. Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass ich nicht die einzige war die diese Idee bekommen hat.
Der Zug nach Köln war schön voll, aber ich habe Glück bzw. genügend spitzen Ellbogen gehabt um einen Sitzplatz zu finden. Meine Sitznachbarin war eine Ägypterin die in London war und am Freitag von ihrer Dienstreise in Warschau zurück nach hause fliegen wollte. Nachdem sie 24 Stunden in Warschau gewartet hatte hat sie diese Idee endgültig aufgegeben und ist mit dem Zug nach Berlin gefahren. Von da aus ist sie nach Köln gefahren, dann wollte sie nach Brüssel, dann Paris, um dort den Eurostar nach London zu nehmen. Das hörte sich nicht so sinnvoll an, da es in Brüssel einen Eurostar nach London gibt. Aber nein, das ging nicht, anscheinend war es den betroffenen Eisenbahn- oder Fluggesellschaften wichtig, dass sie durch Paris fährt!
In Köln Überraschung, der Zug nach Brüssel war so voll dass wir einen Bus nehmen mussten. Meine Busnachbarin war diesmal eine Berlinerin, die akzentfrei Französisch sprach und in Lyon wohnte. Da ihr Flug Berlin-Lyon einen Halt in Düsseldorf hätte machen sollen, hatte sie von der Lufthansa ein Zugticket bekommen, auf dem stand dass sie durch Düsseldorf fahren musste. Deshalb musste sie bis Köln fahren, und dann nach Brüssel, in der Hoffnung dass sie in Brüssel einen Zug findet, der sie nach Lyon bringt. Natürlich wäre die Reise wesentlich kürzer, wenn sie den direkten Zug Köln-Paris hätte nehmen dürfen, aber nein, so was kam für die Fluggesellschaft nicht in Frage!
Ich erzähle nicht von meinen Nachbarn im dritten Abschnitt mit Zug von Brüssel nach Brügge. Es war eine flämische Familie mit zwei sehr süßen und sehr lauten Mädchen, die sich vom Isländischen Vulkan beim Sonntagsausflug nicht haben stören lassen. Neben ihnen war ein very british Paar von älteren Engländern, die versucht haben, an irgendeinen Belgischen Hafen zu gelangen, um eine Fähre nach England zu finden.
Es war also ein sehenswerter Ausflug! Die Bahnhöfe waren nur Chaos und die Schaffner in den Zügen wussten nicht viel besser als die Passagiere, wie man am schnellsten zum Ziel kommen könnte. Jeder hat sich sein Weg organisiert wie er konnte, unter Berücksichtigung der mehr oder weniger sinnvollen Beschränkungen des Fahrscheins, den er in die Hände gedrückt bekommen hatte. Am Ende ist der Vulkan sehr nachhaltig, da er uns zeigt, dass es ohne Flieger auch geht (also nur, wenn man nicht gerade in Kanada steckt, oder wie mein Kolleg in China). Der Vulkan fördert auch soziale Kontakte, indem er Zeit zum Gespräch mit den Reisenkommilitonen schenkt!
19 April 2010
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