16 December 2008

Transport

Nach einer Woche in der ich so viel gearbeitet habe, wie ich noch nie gearbeitet hatte, kommt die Ruhe. Uuuuuuuuuf. Heute war etwas wie meine Endpräsentation und es ist sehr gut gelaufen. Also jetzt ist Zeit, über was anderes als Müll zu denken/sprechen. Heute geht es um die Frage, wie man hier vom Punkt A zum Punkt B kommt. Ich habe alles probiert: Die legendären Greyhound-Büsse, Fernzüge, Regionalzüge, U-Bahn, Mietauto, inneramerikanische Flüge, Stadtbüsse, Taxi, zu Fuß.

Greyhound-Büsse sind aus soziologischem Sicht sehr interessant, da drinnen hauptsächlich Frauen, hauptsächlich Schwarze und fast ausschließlich arme Leute sind. Man sagt, die "illegals" (kein Mensch ist illegal) nehmen oft diese Büssen, da man dort nie nach einem Ausweis gefragt wird. Irgendwann kommt man mit diesen Büssen zum Ziel, aber es kann ziemlich abenteuerlich sein. Meine Freundin Elodie und ich sind von New York bis Raleigh gefahren. Um 23:30 Uhr hätte es losfahren sollen, aber da wir früher am Busbahnhof waren, sind wir schon um 23:10 Uhr in einen Bus gesteckt worden und losgefahren. Gegen 4:45 Uhr morgens hielt der Bus und es hieß, der Bus fährt nicht weiter, aussteigen! Also haben wir gefragt, wo wir eigentlich sind, und wir waren in Richmond. Perfekt, das war auf dem Weg. Gegen 5:30 Uhr sind wir in einem Bus weitergefahren, der uns direkt nach Raleigh gebracht hat. Dort waren wir um 8:30 Uhr, also zwei Stunden VOR dem Plan. Mit Auto wären wir nicht schneller gewesen. Auf dem Rückweg war Elodie drei Stunden NACH dem Plan in New York. Also man kann nicht vorher wissen, wann man wo umsteigen wird aber irgendwann kommt man an.

Zwei Mal bin ich geflogen, und einmal durfte ich das volle Programm bei den Sicherheitskontrollen mitmachen. Es dauert und ist nicht besonders witzig. Besonders unwitzig war der Typ, der mir gebrüllt hat, was ich tun sollte. Einmal bin ich zum nächsten Flughafen von New Haven geflogen. Da war es mit dem Flug problemlos, nett sogar, weil ich mich die ganze Zeit mit meinem Indischen Nachbar unterhalten habe -er meinte, von seinem Jahrgang an der Uni in Indien leben zurzeit ungefähr 80% der Leute in den USA-, aber um vom Flughafen nach New Haven zu fahren war es lustig!! Am Flughafen habe ich mindestens 10 Leute gefragt und keiner wußte, wie es mit den öffentlichen Transportsmitteln geht, d.h. wo man auf den Bus warten soll. Irgendwann wußte jemand Bescheid, und ich habe einen Stadtbus genommen, der mir zum Stadtzentrum (downtown) gebracht hat. Da habe ich gut 20 Minuten auf einem anderen Bus gewartet, um eine kurze Strecke zu fahren, die ich tagsüber gelaufen wäre... aber es war nachts und die Stimmung war so, dass ich nicht alleine rumlaufen wollte. Ein Gefühl, das ich von Berlin nicht kenne, vielleicht weil ich noch nie nachts Mitte in Marzahn war. Am Bahnhof habe ich nach Zügen nach New Haven gefragt, die es nicht gab. Nach 1 1/2 Stunden warten bin ich in einen Greyhound Bus gestiegen, der mich in New Haven gebracht hat. Am Bahnhof in New Haven hatte ich genug von warten, also habe ich spießigerweise einen Taxi nach Hause genommen. Ich war um 23:30 Uhr zu hause, obwohl mein Flug um 19:00 Uhr in Hartford ankam und Hartford nur ca. 60 km von New Haven liegt!! Hätte ich ein Fahrrad gehabt... dann hätte ich Probleme gehabt, die Autobahn zu nehmen und es gibt keine andere Straße!

Zu Fuß ist es auch abenteuerlich, weil es oft keine Bürgersteige gibt. Ich bin einmal von einer Schrottanlage zu einem Bahnhof im Chicago-er Stadtrand gelaufen. Es ging erstmal ewig in der Industriegebiet, dann ewig an einer dicken Straße entlang, dann ewig in einer Wohnsiedlung. Es hat geschneit, es gab meistens keinen Bürgersteig und ich habe keinen einzigen Mensch getroffen. Wobei vielleicht gab es doch Menschen in den vielen Autos, die an mir vorbeigefahren sind. Eine einsame und interessante Erfahrung. Nur einen Eichhörnchen (Aschöschön) habe ich getroffen.

Das Einzige, das nicht abenteuerlich ist, ist Auto fahren. Dafür ist alles gedacht. Am Donnerstag muss ich zu einer Vorstadt von Boston. Mit dem Bus kostet es 40 Dollars pro Fahrt, und das Mietauto kostet für den ganzen Tag 25 Euro (und es dauert die Hälfte der Zeit)!! Also was soll man machen... In Raleigh habe ich erfahren, dass ich noch fahren kann. Mit automatischen Autos muss man nicht so viel machen, die Leute fahren sehr rücksichtsvoll, aber ich fühle mich trotzdem nicht so wirklich sicher. Ich vermisse mein Fahrrad!!

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